Deutsche Gesellschaft für Feinwerktechnik e.V.


    Piezo-Linearmotor von NMB (Muster) 

    Innenleben eines Farb-Laserdruckers 

Was ist Feinwerktechnik ?

Ein Fachkollege beschrieb die Feinwerktechnik mal so: "Konstruktion in der Feinwerktechnik ist die Freude am Gestalten von lebenshelfenden, lebensfördernden und lebensschützenden Produkten". Das trifft es ganz gut und darüber hinaus ist Feinwerktechnik keine Erfindung unserer Tage! Waren es vor hunderten Jahren solche Instrumente, wie die Uhr oder das Fernrohr, die damals das Leben der Menschen verbesserten und nachhaltig prägten. Natürlich mussten sie ohne Elektronik und Software auskommen, weil es diese noch nicht gab. Mit der späteren Entwicklung der elektronischen Bauteile konnten viele technische Funktionen besser erfüllt werden, die Entwicklung der Schreibtechnik vom Federkiel, über die Schreibmaschine bis zum Computer ist da ein gutes Beispiel. Im täglichen Leben findet man vielfältige Produkte, die zur Feinwerktechnik zählen und uns das Leben erleichtern. Häufig fallen sie erst auf, wenn sie fehlen. Als Beispiele sind hier die elektrische Zahnbürste, der Rasierer, die Musikanlage, das Telefon, Kühlschrank, Waschmaschine und Fototechnik zu nennen, aber auch medizinische Geräte oder modernste Produktionsanlagen, wie z.B. den 3D-Drucker.

Feinwerktechnik gibt es aber auch im modernen Kraftfahrzeug: dort befinden sich beispielsweise um die 100 Kleinantriebe, die mit ausgeklügelten Konstruktionen ein angenehmes Klima oder ein bequemes Sitzen ermöglichen. Die Kraftfahrzeugtechnik gibt es historisch gesehen noch nicht so lange wie die Feinwerktechnik. Mit dem Wort "Kraftfahrzeug" verbindet man im Allgemeinen die innovativen Ideen, die jährlich tausende Besucher der IAA begeistern. Auch wird diese Kfz-Technik gern als Innovationsmotor beschrieben, der tausende Arbeitsplätze schafft. Es sind sowohl solche Standardfunktionen, wie sich von A nach B mittels Motorkraft unabhängig zu bewegen, als auch emotionale Gründe ein Fahrzeug anzuschaffen. Um diese Funktionen modern zu bewältigen, sind neueste Erkenntnisse und technische Lösungen von vielen Fachgebieten auf die Erfordernisse der Kfz-Technik anzupassen. Zu diesen Fachgebieten zählen solche wie die Informationstechnik und Software, die Elektronik, die Sensorik oder die mechatronischen Systeme. Die besonderen Erfordernisse hier sind z.B. die Temperaturbeständigkeit von -40 bis +150 °C für alle Aggregate im Motorraum oder die Schwingungsfestigkeit für eine sehr lange Nutzungsdauer. Diese Anforderungen sollen beispielhaft zeigen, dass die Umsetzung in neuen Produkten stets mit der Meisterung technischer Herausforderungen verbunden ist, die sich nur durch modernste Technik realisieren lassen. Es wäre also wünschenswert, dass man ähnlich wie in der Kraftfahrzeugtechnik auch in dem Begriff "Feinwerktechnik" nichts Altmodisches sieht.

Anstelle "Feinwerktechnik" wird auch manchmal der Name "Gerätetechnik" genutzt. Der Name "Gerät" ist jedoch vielfältig interpretierbar und gilt sehr allgemein, z.B. auch für Tagebaugroßgeräte oder für Gartengeräte. Der Name "Feinwerktechnik" zielte früher und zielt noch heute auf Präzision und klein. Und es war stets ein in sich abgeschlossenes Produkt für eine bestimmte Aufgabe oder Zweck, meist zur unmittelbaren Verbesserung der Lebensqualität der Menschen geschaffen. Manche geben gern zur Abgrenzung, z.B. von feinwerktechnischen Antrieben gegenüber anderen, die Gröβe der Leistung von etwa 100 W als groben Richtwert an. Eine Eingrenzung durch Parameter oder Anwendungsgebiete ist jedoch schwer möglich.

Feinwerktechnische Produkte gehören nicht zum Maschinenbau oder zur Fahrzeugtechnik, sondern sind eine eigenständige Gruppe. Die Aufgaben der Produkte sind auch zu vielfältig. Um sie entstehen zu lassen, wird das besondere Verständnis von Mechanik, Optik, Elektronik und Software benötigt. Das reibungslose Zusammenspiel der Komponenten zu gewährleisten, die in modernen Produkten häufig gar nicht mehr modular zu unterscheiden sind, ist die Aufgabe der Produktentwickler. Hierbei geht es meist nicht um die Entwicklung neuer Schaltkreise oder mikrotechnischer Baugruppen, dies bleibt anderen Fachrichtungen vorbehalten, sondern um innovative Geräte zur Befriedigung spezifischer Bedürfnisse. Diese sind mit modernster Technik sinnvoll umzusetzen und marktfähig zu gestalten. Beispielsweise wird ein Kühlschrank sicher immer kühlen müssen, das reicht aber nicht, um ihn heute zu verkaufen. Zusätzliche Funktionen, die unser Leben bereichern (oder uns eingeredet werden) oder besondere Eigenschaften schaffen Kaufanreize. Zu letzteren zählen z.B. niedriger Energieverbrauch, geringe Geräuschemission oder extravagantes Design. Zu den neuen Funktionen zählen solche, wie das Überwachen der eingelagerten Produkte und das selbstständige Nachbestellen via Internet. Es ist festzuhalten, dass feinwerktechnische Produkte sehr vielseitig und häufig in der unmittelbaren Interaktion mit uns Menschen anzutreffen sind. Eine Reduktion des Begriffsinhaltes auf reine Mechanik greift zu kurz!

In der Hochschule werden Entwickler für feinwerktechnische Produkte ausgebildet. Eine Ausbildung, die sich lediglich an ausgewählten Produkten orientiert, wäre hierbei wenig hilfreich. Viele Produkte der Feinwerktechnik haben bei aller Unterschiedlichkeit aber doch Schnittmengen: Bewegungen pr├Ązise erzeugen, Parameter überwachen und Prozesse regeln, optisches und akustisches Feedback geben, Möglichkeit der Prozesssteuerung vorsehen, Kommunikation der Geräte untereinander, kleinen und leichten Aufbau sowie ansprechendes Design, gute Haptik und attraktiven Preis realisieren u.a. Daher ist es für die Ausbildung wichtig, Kernkompetenzen zu setzen und grundlegende Kenntnisse auf elektrotechnischen, konstruktiven und softwaretechnischem Gebiet zu fordern. Auβerdem sind Entwicklungsmethoden und -technologien zu vermitteln, wie z.B. Ideengenerierung, Variantenfindung und -bewertung, sicherer Umgang mit 3D-CAD, Simulationswerkzeugen und Messtechnik. Als Produktentwickler muss man ferner zu multiphysikalischem sowie kostenbewusstem Denken und interdisziplinärem Arbeiten fähig sein.

Und nicht zuletzt sollte man die Freude am Entstehungsprozess eines neuen Produktes und den berechtigten Stolz auf das Ergebnis auch in der Ausbildung vermitteln können. Deshalb sind Lehrveranstaltungen möglichst praxisnah zu gestalten. Diese Maßnahmen sind sicher einige der Gründe, warum derartig ausgebildete Absolventen gute Einstiegschancen in der Wirtschaft besitzen.